Pfarrblatt 02/2020

Aufbruch in den Neubeginn

Ostern und Pfingsten sind vorbei, der Sommer steht vor der Tür. Viel ist passiert und die Frage lautet: Wie wird es weitergehen?

Seit der letzten Ausgabe unseres Pfarrblattes MITEINANDER ist eine Menge passiert. Ein winziges Virus veränderte die Welt – und das Leben der Kirche. Plötzlich hieß es: keine öffentlichen Gottesdienste, kein Händeschütteln, sich aus dem Weg gehen, oder am besten gleich einfach nur zuhause bleiben. Unser gewohntes Pfarrleben war entschwunden: k

eine Veranstaltungen, keine Treffen, keine Gruppenstunden, … Das war tatsächlich eine österliche Bußzeit (Fastenzeit) der völlig neuen Art, ebenso ein bisher unbekanntes Osterfest, allein zuhause, vor dem Bildschirm. Papst Franziskus im leeren Petersdom wurde zum weltweiten Symbol dieser Ausnahmesituation. Der Grund für all diese Maßnahmen ist jedoch ein zutiefst christlicher: der Schutz des menschlichen Lebens, vor allem jenes Lebens, für das dieses Virus die größte Gefahr darstellt.
Während ich diese Zeilen schreibe – es ist kurz vor dem Pfingstfest –, schaut es tatsächlich so aus, als ob jene Strategie, die in Österreich angewendet wurde, Erfolg hat. Ansteckungsraten, Intensivpatient/Innen und Todesfälle halten sich in Grenzen, im Gegensatz zu anderen Ländern. Erste Lockerungen der Maßnahmen sind getroffen, der Aufbruch in das neue Leben nach oder mit Corona hat begonnen. Auch unsere Gottesdienste sind wieder öffentlich, verbunden jedoch mit strengen Sicherheitsmaßnahmen: Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Begrenzung der Teilnehmer/Innen-Zahlen, usw. Alles natürlich immer abhängig davon, wie sich die mittlerweile berühmte Kurve der Ansteckungsrate weiter entwickelt.
Wenn diese Ausgabe erscheint, haben wir auch bereits das Pfingstfest unter diesen Rahmenbedingungen gefeiert, das Geburtsfest der Kirche, die Herabkunft des Heiligen Geistes und den Aufbruch der Apostel, um die Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus in die ganze Welt hinein zu verkünden. In diesem Jahr 2020 könnte die Feier dieses Pfingstereignisses für uns ein ganz neuer Impuls bedeuten: Was habe ich aus der Krise gelernt? Was ist mir wirklich wichtig? Wie möchte ich jetzt aufbrechen und meinen Glaubensweg weitergehen?
In den Monaten des pfarrlichen „Shut-down“ oder „Lock-down“ sind sehr viele Ideen entstanden, um das MITEINANDER trotz allem zu gewährleisten. Die neuen Medien wurden intensiv genutzt. Kontakte wurden telefonisch gepflegt. Hilfen aller Art – „Miteinander im Grätzl“ – wurden angeboten. Kirche fand verstärkt nicht in unseren Kirchengebäuden statt, sondern begann auf vielfältige Weise auf dem gesamten Pfarrgebiet zu leben. Ich erinnere nur an die „Osternacht-Challenge“, durch die am Ostermorgen an vielen Orten die Botschaft „Christus ist auferstanden“ geschrieben stand. Oder die „Grussbotschaften“ in die Pfarrgemeinde, die in den Kirchen der drei Teilgemeinden Glanzing, Kaasgraben und Krim zunächst auf Plakaten, dann auf Grußkarten geschrieben wurden. Das gemeinsame Gebet um 12.00 Uhr mittags, während die Glocken läuteten. Die Musik der Krim-Allstars. Die Notwärmestube am Vorplatz der Glanzinger Kirche. Das stetige Aneinander-Denken und Füreinander beten, wenn als „Hauskirche“ allein, in der Familie oder in der Ordensgemeinschaft gebetet wurde. Und schließlich die Idee der „bunten Steine“, die in die Kirchen gebracht wurden, um deutlich zu machen: Ich bin bunter, lebendiger Baustein in diesem zweitausendjährigen Bauwerk, dessen Eckstein Jesus Christus ist.
Das Corona-Virus ist noch nicht besiegt. Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen bestehen weiter und werden uns sicherlich noch so lange in unterschiedlichster Intensität begleiten, solange kein Impfstoff gefunden ist. Die Rückkehr zur „alten Normalität“ wird also noch einige Zeit auf sich warten, aber vielleicht ist diese Rückkehr auch gar nicht mehr wünschenswert, zumindest entspricht eine solche Rückkehr eigentlich nicht dem biblischen Pfingstereignis. Hier geht es ja nicht um Rückkehr, sondern um Aufbruch, Neues wagen, die Welt zum Positiven verändern – und alles immer getragen und begleitet vom Heiligen Geist, unserem „Lebendig-Macher“.
Ich wünsche Ihnen eine erholsame Sommerzeit und gebe Ihnen für diese Zeit eine sehr pfingstliche Empfehlung unseres Pfarrpatrons, des heiligen Franz von Sales, mit auf den Weg. Er schreibt: Wir müssen „immer wieder beginnen, und zwar gerne wieder beginnen“ (DASal 5,272).
P. Herbert Winklehner OSFS