Einstimmungen in den Tag des Judentums 2014-2018

Die Ökumenepreis-Dokumentation „Tag des Judentums.

Einstimmungen in den Tag des Judentums 2014-2018 – Christen und Juden gemeinsam“, hg. Elisabeth Lutter, ist erschienen und wird am 31. Jänner 2018 beim Ökumenischen Empfang des Herrn Kardinals Dr. Christoph Schönborn präsentiert werden.

Die Arbeitsgemeinschaft „Vernetzte Ökumene Wien West“ (Dekanate 13-19) gibt es seit 2005. Es geht ihr darum, ökumenisch-gemeinsam das „Testament Jesu“ zu erfüllen, „dass alle (Christen) eins seien“ und in diesem Geist  zentrale Anlässe des Kirchenjahres zu gestalten: Passion, Pfingsten, Erntedank – und auch den „Tag des Judentums“. Dieser wurde im Jahr 2000 vom ökumenischen Rat der Kirchen eingeführt, um am Vorabend der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen an deren gemeinsame Wurzeln im Judentum zu erinnern – und an die gemeinsame Schuld: die Feindschaft mit den Juden bis hin in die Katastrophe der Schoa. Ein jährlicher ökumenischer Gottesdienst des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich ist diesem Gedenken gewidmet.

Die „Vernetzte Ökumene Wien West“ hat dazu das Motto formuliert: „Nicht über die Juden, sondern mit ihnen reden“, damit aus Feindschaft, Misstrauen und Leid neues Verständnis für einander und neues Vertrauen entstehen kann. In diesem Sinn veranstaltet sie seit fünf Jahren „Einstimmungen in den Tag des Judentums“: nicht in einer Kirche und nicht mit einem Gottesdienst, um auch jüdischen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, sondern jedes Mal an einem anderen Ort einstigen jüdischen Lebens und Glaubens, etwa  in Erinnerung an eine 1938 zerstörte Synagoge. Hier wird auch für nachgeborene Generationen das christliche Schuldbekenntnis und das jüdische Totengebet nachvollziehbar, Friedensbitten werden zum persönlichen Bedürfnis, das Lesen gemeinsamer Texte aus dem Ersten Testament machen die gemeinsamen religiösen Wurzeln deutlich. Weil diese „Einstimmung“ immer an einem anderen Gedenkort stattfindet, werden immer breitere, nicht nur christliche, sondern auch „fernerstehende“ Bevölkerungskreise in diese Gedenk- und Trauerarbeit einbezogen, die jeweilige christlich-jüdische Lokalgeschichte des Umfeldes wird lebendig und regt zur persönlichen Auseinandersetzung an.

Die bisher fünf Veranstaltungen dieser Art wurden von der Initiatorin Dr. Elisabeth Lutter nun dokumentiert und als Publikation herausgegeben, um als Anleitung auch von anderen Pfarren oder Gemeinschaften genützt zu werden und so – über die Ökumene hinaus – weitere Kreise der Bewusstseinsbildung und  der christlich-jüdischen  Zusammenarbeit zu ziehen. Für dieses Projekt erhielt die „Vernetzte Ökumene Wien-West“ im Reformationsgedenkjahr 2017 den erstmals vergebenen Ökumenepreis zuerkannt. Der evangelische Bischof Michael Bünker  und der katholische „Ökumene-Bischof“ Manfred Scheuer übergaben ihn gemeinsam den VertreterInnen der „Vernetzten Ökumene Wien West“, die Laudatio hielt Univ.Prof.in Regina Polak.

Die Herausgabe der Dokumentation wurde vom Innovationsfonds der Erzdiözese Wien gefördert. Das Buch wird allen Mitgliedskirchen des ÖRKÖ, allen österreichischen Bischöfen (Diözesen), allen Wiener Dekanaten mit ihren Ökumene-Beauftragten sowie den ReferentInnen der Veranstaltungen und wichtigen MultiplikatorInnen zur Verfügung gestellt.

Dr. Elisabeth Lutter, Vikariatsausschuss „Ökumene“ Wien

Ökumene-Arbeit im Dekanat Wien 19

Die 7 katholischen Pfarren Döblings und die evangelische Weinbergkirche arbeiten gemeinsam auf das Ziel der „Einheit der Kirche(n) in versöhnter Vielfalt“ hin. Wir laden zu unseren nächsten Ökumene-Veranstaltungen ein.

Bereits stattgefunden hat der

ÖKUMENISCHE GOTTESDIENST IN DER WELTGEBETSWOCHE UM DIE EINHEIT DER CHRISTEN

Donnerstag, 19. Jänner2017, 19 UHR, Krim-Kirche

Diesmal fand der jährliche ökumenische Gottesdienst aller 7 Dekanatspfarren Döblings zusammen mit der evangelischen Weinbergkirche in der Krim-Kirche statt. P. Sebastian Leitner OSFS hat zum Motto der Weltgebetswoche „Versöhnung“ gepredigt und die Liturgie gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin der Weinbergkirche Andrea Petritsch gefeiert. Der „Ökumenekreis 19“ aus VertreterInnen aller Dekanatspfarren hat den Gottesdienst gestaltet. Bei der anschließenden Agape im „Solli“ gab es die Gelegenheit, im Gespräch mehr über die Ökumene-Arbeit und ihr weltweites Anliegen zu erfahren.

ÖKUMENISCHES PASSIONSGEDENKEN

Sonntag, 12. März 2017, 09.30 Uhr, Weinbergkirche
Nach dem Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen am 3. März 2017 wollen wir diesmal unser ökumenisches Passionsgedenken nicht nur als eigene Veranstaltung begehen, sondern laden auch zur Teilnahme an einer Predigt in der evangelischen Weinbergkirche teil. Pfarrerin Dr. Margit Leuthold spricht über „Glauben – im Leid“ im Rahmen des evangelischen Sonntagsgottesdienstes am 12.3.2017 um 09.30 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen – auch zum Predigt-Nachgespräch!

Außerdem findet das jährliche Passionsgedenken des Dekanats 19 diesmal in Grinzing statt – die Vernetzte Ökumene Wien West (Dek. 13-19) ist herzlich dazu eingeladen. Im Pfarrsaal der Grinzinger Kirche spricht Pfarrer Univ.Prof.DDr. Hubert Ritt zum Thema: „Wer war schuld am Tod Jesu?“ an Hand neuer Forschungsergebnisse zur Rechtslage, den historischen Zusammenhängen und der Bibelwissenschaft. Es wird ein spannender Abend, reich an Informationen!

Wir hoffen auf zahlreichen Besuch und freuen uns auf Euch/Sie!

Elisabeth und Hans-Joachim Lutter, Dekanats-Ökumenebeauftragte

Einstimmung in den „Tag des Judentums“ im Gedenken an den Turnertempel

von Dr. Elisabeth Lutter

Bereits zum vierten Mal  hat die „Vernetzte Ökumene Wien West“ am 16. Jänner 2017 eine Einstimmung in den „Tag des Judentums“ auf  besondere Weise gestaltet, diesmal in Erinnerung an den Turnertempel  der ehemaligen Kultusgemeinde Sechshaus, im topografischen Dreieck mit der Vereinssynagoge „Storchenschul“ und dem jüdischen Gemeindehaus Herklotzgasse 21.

Seit dem Jahr 2000 wird am Vorabend der Weltgebetswoche für die Einheit der getrennten christlichen Kirchen an deren gemeinsame Wurzeln im Judentum gedacht – aber auch an die uralte Feindschaft zwischen Christen und Juden bis hin zum Grauen der Shoa. Diese Erinnerungsarbeit muss heute gemeinsam  von Juden und Christen geleistet, durchlitten werden, auch am Tag des Judentums. Konkrete Bezugspunkte für das christliche Schuldbekenntnis und ebenso für das jüdische Totengebet sind Orte einstigen jüdischen Glaubens und Lebens – etwa ehemalige Synagogen. Diesmal war es der Turnertempel in Fünfhaus. Der bekannte Synagogenforscher Pierre Genée ließ ihn virtuell wieder erstehen. Martin Jäggle sprach über das Nebeneinander der Gründerzeit-Prachtbauten „Maria vom Siege“  und Turnertempel in nur scheinbar versöhnter Verschiedenheit bei  auch zur Bauzeit latentem Antisemitismus. Willy Weisz ließ durch seinen  sehr persönlichen Bericht von der Hochzeit seiner Eltern im Turnertempel ein friedliches Blitzlicht aufflammen. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund des einstigen Lebens im „jüdischen Dreieck“ schilderte berührend Judith Pühringer mit ihrem Projektbericht „Herklotzgasse 21“, den Inge Rowhani, Tochter der einstigen Hausbesorgerin der Herklotzgasse 21,  mit einer erschütternden Lesung aus ihrem Buch „Nachricht vom Verlust der Welt“ abschloss.  Umso härter war danach der Kontrast zu den judenfeindlichen  Altersschriften Martin Luthers, die – sichtlich persönlich bewegt – der evangelische Altbischof Herwig Sturm präsentierte, zusammen mit der nachdrücklichen Distanzierung der evangelischen Generalsynode von 1998.

Der zweite Teil des Abends war dem meditativen Gedenken gewidmet: Der Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, begann mit einer kurzen Lesung aus dem Buch Ezechiel des Alten Testaments: „Ich gebe euch ein neues Herz,… das Herz aus Stein nehme ich aus eurer Brust“, danach wurde das jüdische Totengebet von MMag. Thomas Gross (Kultusgemeinde Wien) zuerst hebräisch gesunden, dann deutsch gesprochen. Ihm folgte das Schuldbekenntnis der christlichen Kirchen und vier Friedensbitten, vorgetragen von den VertreterInnen der christlichen Kirchen vor Ort (Römisch-Katholisch, Evangelisch H.B., Methodistisch, Altkatholisch). Einen ebenso realistischen wie hoffnunggebenden Blick auf „christlich-jüdisches Zusammenleben in Wien heute“ und „Zukunftsperspektiven christlich-jüdischer Zusammenarbeit“ brachten die Kurzreferate von MMag. Thomas Gross und Sarah Egger, der jungen Geschäftsführerin  des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Sie zeigten – wie Rückmeldungen aus dem Publikum bestätigten – , dass die Grundidee dieser „Einstimmung(en) auf den Tag des Judentums“  in Form der persönlichen Begegnung von Christen und Juden, des gemeinsamen Gedenkens und Austauschens, jedes Mal ein friedenstiftender, Vertrauen bildender Beitrag zur  Vertiefung  christlich-jüdischer Zusammenarbeit ist.

Die Atmosphäre des Gedenkabends wurde musikalisch entscheidend mitgeprägt von einem klezmer-ähnlichen Ensemble des Schulzentrums Friesgasse unter der Leitung von Christa Oprießnig.  Dem großzügigen Gastgeber, Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal, vertreten durch Bezirkskulturrat Mannsfeld, sei herzlich gedankt. Für den 16. Jänner 2018 ist die nächste Veranstaltung dieser Art, dann in Hernals, bereits geplant.

Exkursion Ökumene 19 2016