Der alte Kreuzweg

Der „Alte Kreuzweg“ der Krim-Kirche (entstanden 1951) auf quadratischen Steinplatten stammt von Prof. Franz Erntl (1902-1990) und hängt mittlerweile etwas verborgen auf der Chorempore hinter der Orgel.

Pfarrer Pater Hannibal Praprotnik OSFS (1905-1967; Pfarrer in der Krim: 1950-1955) konnte für den Kreuzweg den Kunstlehrer Prof. Franz Erntl (1902-1990) gewinnen, den er aus seiner früheren Tätigkeit als Pfarrprovisor in Neufeld, Burgenland, kannte. In der Pfarrchronik schreibt Pater Praprotnik dazu Folgendes:

„Es mag wohl im Plan des Architekten Clemens Holzmeister gelegen sein, unserer Kirche keine Kreuzwegbilder zu gestatten. Es waren ohnehin die Kreuze da und die entsprechenden Leuchter. Figurales hätte die Einheitlichkeit des Baues gestört. Wenn man auch vom künstlerischen Standpunkt aus diese Ansicht teilen kann, so kümmert sich das Volk wohl nicht immer um solche Standpunkte …

Hier sprang nun mein Freund, Herr Fachlehrer Erntl ein. Mein Plan, ein Sgraffitowerk in die Kirche zu stellen, fand seinen Beifall. Freilich mussten wir schon an die kommende Veränderung der Kirche denken und konnten die Bilder daher nicht direkt in die Wand hineinstellen. Denn bei Abbruch der rechten Seitenwand wären dann diese Bilder verloren gewesen. So wurden die Bilder einzeln im Rahmen hergestellt.

Die Bilder sind freilich nicht so ganz nach dem Geschmack aller Leute geworden. Kenner sind damit zufrieden. Doch sind die Bilder – wenn auch nicht alle gleich gut – doch sehr ansprechbar und weisen das Merkmal guter Bilder auf. Sie werden bei öfterem Ansehen nicht langweilig. Es war auch keineswegs leicht, mit wenig starken Strichen die Handlung der Stationen darzustellen. Mit einigen Bildern sind alle zufrieden, manche wieder erwecken ein bisschen Widerspruch.

Dem genauen Beobachter wird auch manches auffallen. Bei manchen Stationen fehlt dem Christus der Mund. Es ist nicht so, dass der Meister dies vergessen hätte, sondern ist der Ausdruck des Schweigens und des stummen Leidens, den er dadurch deutlich machen wollte. Ich muss sagen, auch mich befriedigt diese Lösung nicht ganz, aber man kann sie immerhin gelten lassen.

Besonders interessant sind einige der Kreuzwegbilder.

Die 10. Station: „Jesus wird seiner Kleider beraubt“ ist ein bewusstes Erinnern an unsere Zeit. Wer reißt der Kirche den Mantel herab? Der kommunistische Osten und der kapitalistische Westen. Man weiß wirklich nicht, welcher von beiden der Kirche mehr schadet. Ist der eine brutaler, ist der andre umso einflussreicher.

Die 5. Station „Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“ zeigt das Bild des verstorbenen Bruders des Künstlers. Auch dessen Schicksal ist tragisch und bezeichnend für unsere Zeit. Vom Krieg heimgekehrt, findet er seine Frau mit einem andern verheiratet. Seelisch gebrochen und den Strapazen der Gefangenschaft noch unterworfen, hielt er nicht stand und starb an allgemeiner Erschöpfung.

In der letzten Station „Jesus wird ins Grab gelegt“ hat er sich und mich als Auftraggeber verewigt.

So hat auch dieser Kreuzweg einige Geheimnisse, die nur der Eingeweihte kennt. Vielleicht könnte man noch erwähnen, dass auch Pontius Pilatus in der 1. Station „Jesus wird zum Tod verurteilt“ nach einem sehr selbstgerechten Mann aus unserem Freundeskreis genommen ist.

Was das Finanzielle betrifft, so war es wirklich ein Freundschaftsdienst, den er uns erwies. Pro Bild verlangte er 300 Schilling, was ja wirklich nur eine Kleinigkeit bedeutete. Das Geld kam durch Spenden und Ankauf einzelner Stationen durch Freunde der Kirche zusammen. So kauften unter anderem Frau Horak aus Neufeld, dann die Mutter des Pater·Quirin Schlamp OSFS, sowie Frl. Brachtl und Frl. Mimi je eine Station. Die Station mit seinem Bruder gab er uns gratis, um seinem Bruder ein kleines Denkmal zu setzen. Verhältnismäßig teuer war die Montierung des Kreuzweges, die fast 1000 Schilling kostete.“

Franz von Sales

„Das Kreuz ist das wahre Buch der Christen.“
(DASal 9,57)