Franz von Sales Fest und 10 Jahre Pfarre Franz von Sales

Am Sonntag, 25. Jänner 2026, feierte die Pfarre Franz von Sales ihren Pfarrpatron, den heiligen Franz von Sales, und ihr 10-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Hauptzelebrant und Festprediger war Pater Josef Költringer, Provinzial der deutschsprachigen Provinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales, die in der Pfarre Franz von Sales als Seelsorger wirken. Hier ist seine Predigt:

Weil Gott für uns da ist und uns liebt

Viele von uns Oblaten laden am Beginn eines Gottesdienstes ein, kurz still zu werden, um Gottes Gegenwart zu erahnen. Diese Einladung beschreibt das Herzstück der salesianischen Theologie: Gott ist und war immer mit den Menschen.

Man sagt, das Universum ist vor ungefähr 14 Milliarden Jahren entstanden. Geschaffen durch Gott, der den Namen „Jahwe“ hat: „Ich bin da.“ Die Entwicklung, die Entstehung von uns Menschen war eigentlich ein langer Prozess, denn uns gibt es erst seit ca. 300.000 Jahren. Wenn man sich vorstellt, dass 14 Milliarden Jahre eine Länge von 1 Kilometer hat, dann wären 300.000 Jahre ca. 2 cm davon. So lange gibt es uns Menschen also noch nicht.

Aber wir sind wichtig. Meinen wir. Wir nennen uns sogar die Krönung der Schöpfung. Seit 300.000 Jahren können wir sprechen, denken, rechnen, lieben, hoffen, … und viel Unsinn machen. Wir klagen, wir fragen, wir beten, wir bitten, danken, … Wir Menschen führen seit Beginn Krieg, wir streiten, spielen, leiden, feiern, fasten, … Und wir rufen zu Gott, der scheinbar schweigt, weil er unser Leid nicht lindert, den Krieg nicht beendet …

Zehn Jahre Pfarrei Franz von Sales – eine junge Geschichte, aber für uns alle hier keine unbedeutende. Denn in diesen zehn Jahren wurde viel gearbeitet, geholfen und gezweifelt, gefeiert und getrauert, gehofft und gerungen. … Und zu Gott gebetet, der scheinbar so oft auf unsere wichtigen Anliegen keine Antwort gibt.

Kein Wunder, dass sich Menschen selbst Götter schaffen, die dann konkrete Antworten geben. Kein Wunder, dass man sich in Unsicherheit, in Leid und Not sich jemanden wünscht, der Antwort gibt, der mir die Unsicherheit nimmt, der Klarheit schafft, … Kein Wunder, dass Menschen Autoritäten folgen, die versprechen, die komplexe Welt zu erklären und ihre Probleme schnell zu lösen. Sogar Wissenschaft kann ein Gott werden, Konsum, Wohlstand, irgendwelche charismatischen Führer. Sie alle können zu Göttern werden.

Wir vergessen, dass Gott zumindest einmal konkret geantwortet hat auf all unsere Fragen und Klagen. Vor ca. 3.500 Jahren. Im brennenden Dornbusch. Gott sagt drei Worte: „Ich bin da“, die letztlich alles verändern: Ihr sucht, ihr wollt Antworten: „Ich bin da.“ Ihr leidet und verzweifelt: „Ich bin da.“ Ihr klagt und habt Angst; vergesst nicht: „Ich bin da.“

1.500 Jahre später wird dieses „Ich bin da“ an Weihnachten noch einmal wiederholt, etwas verändert und mit einem Satz ergänzt: „Ich bin bei dir. Und ich liebe Dich.“

Das ist unser Glauben. Das ist die Botschaft unseres Pfarrpatrons, des hl. Franz von Sales. Das ist das Geheimnis einer christlichen Gemeinde. Wir glauben, dass Gott bei den Menschen ist und, dass Gott die Menschen liebt. Evangelisch oder katholisch. Egal, ob wir oben in der Kirche zusammen sind oder unten in der Frieda, im Kaasgraben oder in Glanzing, beim Beten oder beim Kochen, beim Theaterspielen oder beim Basteln: Gott hat versprochen: „Ich bin da. Ich bin bei dir. Und ich liebe Dich.“

Ich erinnere mich an eine Diözesansynode, an der ich vor etwa fünfzehn Jahren in Deutschland teilgenommen habe. Wir wurden in kleine Gruppen aufgeteilt, und jeder Gruppe wurde die Frage gestellt: Was ist die Botschaft der Kirche heute für die Welt? Was ist unsere Hauptaufgabe, auch in den Pfarren?

Die Gruppen kehrten mit ihren Antworten zurück, und jede einzelne schlug etwas Wichtiges vor:

Von Gerechtigkeit war die Rede! Barmherziger sein. Die Fremden aufnehmen. Modernere Gottesdienste feiern. Andere Sprache bei den Gottesdiensten verwenden. Mehr beten. Für den Frieden arbeiten. Mehr lieben. … All diese Vorschläge sind gut und wichtig.

Doch keine der Gruppen hatte den Mut zu sagen: Menschen brauchen in dieser Zeit nicht Programme und Aufträge, sondern Mitgefühl und Nähe. Wir müssen den Menschen sagen und ihnen durch unser Tun zeigen, dass wir an einen Gott glauben, der da ist, der mit uns ist und der uns liebt. Alles andere folgt.

Ich kann mich an die ersten Monate in Indien erinnern, in der Fremde und unter Fremden. Da kam ich in Kerala an Weihnachten in eine katholische Kirche, die in so vielem anders aussah, als ich die Kirchen bei uns gewohnt war. Und dann die fremde Sprache und die so ganz anderen Gesänge. Aber auf einmal merkte ich, worauf es ankommt: Fremd im Gebäude, fremd in der Sprache und Kultur, aber daheim im gleichen Glauben.

Ich weiß, dass dies sogar hier bei uns eine Herausforderung ist. Einige fühlen sich fremd in der Krim, andere in Glanzing oder im Kaasgraben. Aber denkt daran: Es geht um unseren gemeinsamen Glauben an den uns liebenden, nahen Gott. Fremd in der Kirche, daheim im Glauben.

Beim jährlichen Weihnachtstreffen meiner Geschwister kamen wir auf unsere Kleiderschränke zu sprechen. Einer meiner Brüder gestand, dass er jeden Morgen vor dem Kleiderschrank steht und lieber das alte, abgetragene Hemd anziehen würde statt dem danebenliegenden neuen Hemd, wenn nicht seine Frau wäre. Grundsätzlich gilt wahrscheinlich: Wir lieben das Bewährte. Die Kirche, in der wir getauft wurden. Den Gottesdienst um die ewig gleiche Zeit. Die Kirchenbank, in der schon Oma saß. Und das ist gut so! Tradition ist wie ein Anker – sie gibt uns Halt, wenn’s stürmt.

„Offen und lebendig“ sein heißt nicht, alles über Bord zu werfen. Es heißt: Das alte Hemd behalten UND das neue Hemd anziehen. Die Tradition bewahren UND Raum schaffen für das Neue. Beides geht. Beides gehört zusammen. Denn ein salesianisch geprägter Mensch geht über Grenzen hinweg – über all die Grenzen, die ohnehin nur in unseren Köpfen existieren. Der sieht nicht zuerst das Fremde, sondern das Gemeinsame. Der weiß, dass wir irgendwie alle zusammengehören. Liebe ist für Franz von Sales grenzenlos, unendlich, allmächtig. Sie hält das Alte und umarmt das Neue. Sie bewahrt und öffnet zugleich. Deshalb nennen wir die Liebe auch Gott.

Euer Pfarrmotto lautet: „Offen & lebendig – Bewährtes achten & Neues wagen – wir tun gut“.

Warum? Weil wir wissen und einander immer wieder erinnern, dass Gott mit uns ist und uns liebt.