Gründonnerstag im Kaasgraben

Die Farbe Rot stand im Mittelpunkt der Liturgie vom Letzten Abendmahl Jesu am Gründonnerstag, 2. April 2026, in der Teilgemeinde Kaasgraben. Zuerst wurde im Saal gefeiert, nach der Abendmahlsfeier folgte die Ölbergandacht in der Kirche. Zelebrant war Pater Sebastian Leitner OSFS. Er sagte in seiner Predigt Folgendes.

Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche

Rot: Drei rote Gedanken, zum Mitnehmen nach Hause.

Rot 1 – Blutrot

Das Blut geschlachteter Tiere auf den Türpfosten der Israeliten als äußeres Zeichen für Gott, dieses Haus zu verschonen. So haben wir die erste Lesung gehört. Altes Denken. Gott hat in Christus längst kommuniziert, dass jede, jeder es ihm wert war und ist. Warum können wir immer noch davon reden, dass es die einen gibt, die Gott rettet, und die anderen, die Gott angeblich verachtet. Gott hat in Jesus etwas ganz andres kommuniziert. Sein Blut hat er vergossen, damit jede und jeder leben kann.

Das Lebensprinzip der Costa-Ricaner heißt Pura Vida. Dieses blutrote T-Shirt mit der Aufschrift Pura vida hat mir eine Gruppe von Freunden geschenkt. Einer von ihnen kämpft derzeit mit Verunreinigungen in seinem Blut, die sein Leben bedrohen. An ihn denke ich jetzt und an alle Verunreinigungen, die unser Blut ins Stocken bringen, unsere Liebesfähigkeit schmälern, und unser Herz hart werden lassen. Wenn wir heute vom Blut Christi trinken, bitten wir Gott, er möge unsere Herzen mit göttlichem Blut versorgen, das endlich mit der Mähr aufhört, dass es Menschen verschiedener Klassen und Rassen gibt. Pura vida gilt jeder und jedem, und wenn wir heute dieses Mahl feiern, dann ist es das, was wir feiern: Gott will das liebende Leben. Dafür hat er sein Blut vergossen. Rot 1 – Blutrot.

Rot 2 – Filzrot

Sie kennen dieses Filzrot. Wer sich im Kaasgraben in die Kirchenbänke setzt, oder auf die Sessel, setzt seinen Allerwertesten auf dieses Filzrot. Das Teilnehmen am eucharistischen Mahl wird angenehmer gemacht. Ein schönes Bild, wie ich meine.

Gott lädt jede und jedem zum Mahl ein. Dich und mich. Wir werden heute daran erinnert Menschen immer mehr zu werden und zu sein, die anderen von der Zuneigung Gottes erzählen. Warum grenze ich aus? Warum bin ich eiskalt? Warum lege ich Steine in den Weg? Warum stelle ich mich über die andere, den anderen?

Bei manchen Kirchenbänkenkonstruktionen habe ich mir schon öfters die Frage gestellt, ob sie nicht absichtlich so gebaut wurden, dass sie unbequem sind, dich zum Niederknien quasi zwingen. Gottes Art und Weise ist das aber nicht. Liebevoll, immer neu vergebend, immer wieder stärkend, selbst den Allerwertesten schonend bin ich eingeladen, es Gott in Jesus gleich zu machen. Rot 2 – Filzrot

Rot 3 – Schalrot

Einer meiner Lieblingsschale ist dieser rote Schal, der mir vor Jahren von einer Versicherung geschenkt wurde, eine Versicherung, die mit dem Slogan „Keine Sorgen“ wirbt. Wie akurat für heute.
Nach der Predigt lade ich euch ein, einander gegenseitig die Hände zu salben. Ein kleines Kreuz auf jeden Handrücken, mit Krankenöl. Du und ich, wir können einander salben, und uns dabei der Berührung Jesu bei der Fußwaschung erinnern. Wir können uns dabei zusprechen. Keine Sorgen. Gott liebt dich. Und es ist tatsächlich so. Gott zeigt sich heute von seiner stärksten Seite: sein Dienst am Menschen ist ergreifend. Gott macht sich klein, Gott dient, Gott vergibt, Gott berührt, Gott ist sich nicht und niemals zu schade, den Menschen liebevoll daran zu erinnern, dass auf Gott Verlass ist. Und du. Du kannst dich auch auf ihn verlassen. Komme was wolle; Zweifle was wolle; Ärgere was wolle; Falle was wolle; Geh den falschen Weg was wolle: er spricht dir zu: Keine Sorgen. Ich, dein Gott, bin verlässlich und verlasse dich nicht. Niemals. Rot 3 – Schalrot.

Rot 1 – Blutrot – Herr, lass mich lieben – in deinem Namen.
Rot 2 – Filzrot -Herr, lass mich weich sein – in deinem Namen.
Rot 3 – Schalrot – Herr, lass mich Zuversicht ausstrahlen – in deinem Namen.

Amen.

Fotos: Sebastian Leitner OSFS