Erzdiözese Wien/Schönlaub Stephan

Bischofsweihe von Erzbischof Josef Grünwidl

Gemeinsam auf dem Weg sein

Am 24. Jänner 2026, dem Gedenktag des hl. Franz von Sales, wird Josef Grünwidl zum Erzbischof der Erzdiözese Wien geweiht. Die Pfarre Franz von Sales heißt den neuen Erzbischof herzlich willkommen und wünscht ihm für seine verantwortungsvolle und sicher nicht leichte Aufgabe Gottes reichsten Segen. Zur Einstimmung auf seine Weihe haben wir einige bemerkenswerte Antworten aus der Pressekonferenz gesammelt, die er am Mittwoch, 21. Jänner 2026, im Stephansdom hielt:

Bischof

Wer ist der Bischof? Er ist ein Mensch, ein Getaufter, einer, der versucht, als Christ in der Spur des Evangeliums zu gehen. Ich übernehme mit der Bischofsweihe einen besonderen Dienst der Leitung der Kirche von Wien, aber das Christsein ist unsere gemeinsame Basis. Der wichtigste Ratschlag aus dem 2. Brief an Thimotheus lautet für mich: Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Hoffnung, der Kraft und der Liebe.

Orgelkirche

In meinem Bischofswappen finden sich fünf Orgelpfeifen, weil die Kirchenorgel ein Symbol für die Orgelkirche ist. Orgelkirche meint: In der Kirche gibt es wie bei einer Orgel verschiedene Stimmen, laute und leise. Es gibt Prospektpfeifen, die vorne stehen, und viele hunderte oder tausende Pfeifen, auch oft sehr kleine, im Hintergrund. Es geht darum, dass sich die verschiedenen Stimmen und Klangfarben gut mischen und eine Harmonie bilden. Orgelkirche ist ein Bild für die Einheit der verschiedenen Strömungen, Geschwindigkeiten und Ansichten, und eine Orgel funktioniert nicht ohne Wind und der Wind ist das Symbol für den frischen Wind des Heiligen Geistes, der die Kirche zum Klingen bringt. 

Gottes Melodie

„Nehmt Gottes Melodie in euch auf.“ Diesen Satz des heiligen Ignatius von Antiochien habe ich mir zum Wahlspruch gewählt. Das Lied des Evangeliums in die Welt bringen, diese Melodie der Hoffnung, Erlösung, Liebe und Gemeinschaft aufnehmen ins eigene Leben, darin sehe ich meinen Auftrag als Erzbischof und der Kirche insgesamt. Die Grundbotschaft lautet: Mensch, du bist geliebt, nicht du sollst, du musst, du darfst nicht, sondern Mensch, du bist geliebt. Aus dieser Zusage heraus kannst du Liebe weiterschenken und die Welt verändern.

Volk Gottes

Ich definiere die Kirche nicht über Probleme, Defizite, Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung, die besagt: Wir sind Volk Gottes. Es ändert sich zurzeit dramatisch eine vertraute Gestalt der Kirche, aber es wird mit unserer Kirche gut weitergehen, allerdings ganz anders, als wir es gewohnt sind. Diese Hoffnung leitet mich. Die große Frage ist, wie können wir die Botschaft vom biblischen Gott, der als Person ansprechbar ist, heute Menschen vermitteln und glaubwürdig in die Welt bringen. Es gibt unter den Menschen eine sehr große spirituelle Sehnsucht, aber das sind oft sehr diffuse Vorstellungen von Gott, Religion und Glauben. Das jüdisch-christliche Gottesbild hat einen ganz spezifischen Charakter, einen Gott der Liebe, der ein Du ist und mich als Person wahrnimmt, schätzt und liebt. Wie wir das den Menschen heute vermitteln, das ist unsere Hauptfrage.

Weltkirche

Weltkirche ist etwas sehr Spannendes. Ich möchte immer dazu einladen, diesen großen Horizont zu sehen. Wir sind oft versucht, nicht über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen. Es tut immer gut, sich bewusst zu machen, dass wir in einer Weltkirche leben, die sehr bunt ist, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs ist und wo auch ganz andere Fragen und Probleme an erster Stelle stehen als bei uns hier in Mitteleuropa. Dieses Bunte der Weltkirche macht das Ganze sehr lebendig, natürlich auch schwierig. Deshalb ist das gemeinsam auf dem Weg sein nicht nur hier in Wien, sondern auch in der weltkirchlichen Verbundenheit wichtig. 

Armut und Migration

Wenn es um das Thema Armut und Migration geht, ist die Kirche gefragt. Aus der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel haben die Fremden, die Obdachlosen und Hilfsbedürftigen einen ganz hohen Stellenwert, weil uns in diesen Menschen Gott selber begegnet, so hat es Jesus gesagt: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen, ich war obdachlos und ihr habt euch um mich gekümmert.